Rote Haare, blaue Augen, Schneiderin, Kerzenschein

  • Das Geisterkleid

    Im Jahre 1250 nZ (neue Zeitrechnung) betrat eine elegant gekleidete Dame das Waisenhaus "Lel's Zuflucht" in der Hintergasse in Magierunum. Magierunum ist die größte Stadt im Land und so etwas wie die Hauptstadt, obwohl der Regierungssitz, Schloss Rabenstein, auf einer Bergspitze mitten in einem ausgedehnten Wald vor den Toren besagter Stadt thront. Lel ist eine Magierin, die das Waisenhaus mit Hilfe von Spendengeldern für Kinder von verunglückten Magiern eröffnet hat. Bedingung für eine Aufnahme ist, dass beide Elternteile Magiebegabt und bei einem, im weitesten Sinne Zaubereiunfall zu Tode gekommen sind. Natürlich darf auch kein Elternteil nach dem Ableben zum Wiedergänger werden, denn dann würden sie dauernd das Waisenhaus aufsuchen und Lel in die Erziehung ihrer Sprösslinge hineinreden. Man kann sich sicher den täglichen Tumult vorstellen, bei so vielen Kindern, denn leider ging bei dem Gebrauch von Magie öfters was schief. "Guten Morgen Madame Umu", sagte Lel mit einem besonders freundlichen Lächeln. Umu führte das bekannteste Schneideratelier in der Stadt, ja im ganzen Land. Lel fand Mode toll und außerdem witterte sie eine Möglichkeit eins ihrer Plagegeister an die Frau zu bringen. "Guten Morgen Madame Lel", flötete Umu, "bei dem angenehmen Wetter heute war der Spaziergang durch die halbe Stadt eine nette Abwechslung zur Arbeit im Atelier." "Das freut mich zu hören", kam die Antwort, "aber sagen sie mir, wie ich zu der Ehre ihres Besuches komme." "Nun meine liebe Lel, die Aufträge werden immer mehr, seit die Damen unseres Landes beschlossen haben, Gesellschaftskleider nur noch eine Saison zu tragen". "Ich habe überlegt, mir eine Unterstützung zuzulegen." "Oh wie schön, da wird eins meiner Schützlinge aber mächtig Stolz sein, Hilfskraft im ersten Modehaus am Platze zu werden". "Ich dachte eigentlich sogar an einen Lehrling, liebe Lel." Lel riss die Augen auf. "Was für eine wunderbare Überraschung." Die Heimleiterin konnte es kaum glauben. Für eines ihrer Kinder währe eine Ausbildung bei Umu so etwas wie geadelt zu werden mit Aufstieg in den Modeolymp. "Es sollte ein Mädchen im passenden Alter sein, wen der Kinder halten sie denn für talentiert"? Lel überlegte kurz und meinte dann, "vielleicht die Aja, sie hat das richtige Alter von fünfzehn Jahren und hätte eine Chance verdient, das arme Kind." "Was ist ihr den Wiederfahren"? "Nun sie ist wirklich ein tragischer Fall, ihr Vater, der Suffkopp, lenkte mittels Magie die Kutsche mit seiner Gemahlin drin am frühen Morgen nach den Feierlichkeiten zur Preisverleihung der Zauberer des Jahres von Rabenstein den Berg hinunter und kam an einer Biegung ins Schlingern. Der Anblick des Ergebnisses soll nicht schön gewesen sein, und die Pferde erst. Das war der Tag, bevor es die günstigen Pferdebuletten beim Fleischer Kek gab." "Ah ja, ich erinnere mich, dass müssten so neun Jahre her sein." "Es sind schon zehn Jahre her, Aja war erst fünf und in der Obhut einer Babysitterin, Ulu glaub' ich hieß sie". "Ach, die Ulu, die dürfte schon gar nicht mehr leben, war vor zehn Jahren ja auch schon nicht mehr die Jüngste". "Ganz recht, Ulu war ja keine Magiebegabte und die Leben halt nicht so lang." "Ja und manche trinkfreudigen Magier auch nicht, wie man sieht." "Da sagen sie ein wahres Wort, Madame Umu, aber ich denke wir sollten nun Aja kommen lassen. Sie könnten mit ihr eine Runde im Garten drehen und ihr dabei die nötigen Fragen stellen. Danach gönnen wir der Aja eine Pause und sie können mir ihre Entscheidung mitteilen". "Einverstanden, liebe Lel, ich bin schon gespannt wie sie ausschaut und was sie auf meine Fragen antwortet." Lel griff neben sich nach einem Glöckchen und ein helles Klingeln ertönte. Bald darauf ging die Tür auf und das Dienstmädchen Dod erschien. Dod war im Waisenhaus mit zwölf Jahren aufgenommen worden. Das war schon acht Jahre her, aber es hatte sich keine neue Familie gefunden, da sie nur sehr wenig Magiebegabung geerbt hat. Deshalb hatte sie den Posten im Heim von Lel bekommen und wie es schien, war sie damit zufrieden. "Sie haben geläutet, Madame?" "Ja Dod, such bitte Aja und schick sie zu mir." "Sehr wohl," mit einem artigen Knicks drehte sie sich um und rauschte davon. "Wollen wir uns die Wartezeit mit einem Tässchen Tee vertreiben?" Lel nahm von einem Stövchen eine reich bemalte Kanne und goss den goldfarbenen Inhalt in eine ebenso reich bemalte Tasse. "Es sind Kräuter aus dem Garten, sie wirken sehr belebend." "Gern," kam die Antwort und Lel reichte die Tasse an Umu, um sich sofort auch eine Tasse einzuschenken. Umu nahm einen Schluck und fühlte sofort, wie sich vom Magen aus eine wohlige Wärme ausbreitete. "Wirklich wunderbar dieser Kräutertee." Umu hatte sich in einen weichgepolsterten Sessel gesetzt und bekam einen leicht verschleierten Schlafzimmerblick. Sie hatte eher den Eindruck, dass das Getränk beruhigend wirkte als Belebend. Währenddessen schaute Lel, die am Tisch gegenüber von Umu Platz genommen hat, mit einem leicht angedeuteten Lächeln zu Umu hinüber. Ihr allseits beliebter Tee hatte schon geholfen so manchen Plagegeist, wie sie öfters im Scherz ihre Schützlinge nannte, an eine Familie loszuwerden. Nur im Falle der armen Dod hatte ihr Mag...äh, Kräutertee versagt. Von der Tür her ertönte ein zaghaftes Klopfgeräusch. "Herein," sagte Lel. Die Tür ging einen Spalt auf und ein Kopf mit struppigen, nach allen Richtungen abstehenden Haaren erschien. Zudem klebte um die Mundwinkel etwas, was schwer nach Schokolade aussah. "Sie haben mich rufen lassen Madame," sagte der Struwwelkopf und leckte sich gedankenverloren die Schokoladenreste aus den Mundwinkeln. "War gerade in der Küche am helfen." "Na, das sehe ich," grummelte Lel und Umu trällerte; "oh, ist sie das, was für ein hübsches Kind".

    (Fortsetzung folgt)


    Aerlinn in Edhil o Imladris

    A Elbereth Gilthoniel, silevren penna míriel o menel aglar elenath!

    Nachaered palandíriel o galadhremmin ennorath, Fanuilos, le linnathon nef aear, si nef aearon! :queen:

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  • (Fortsetzung von Das Geisterkleid)

    "Aja, geh mit Madame Umu in den Garten, sie hat etwas wichtiges mit dir zu bereden". Umu trank schnell den Rest ihres Tees aus und ruckelte, den Kopf weit in den Nacken gelegt, mit der Tasse hin und her, um auch noch den letzten Tropfen zu bewegen die Tasse zu verlassen. "Wenn sie zurück sind, gibt's noch ein Tässchen", sagte Lel und erst diese Aussicht veranlasste Umu sich von ihrer so liebgewonnenen Tasse zu trennen, ohne dem Drang nachzugeben mit der Zunge auszuloten, ob nicht doch noch ein winziger Rest sich in ihrem Inneren befand. Währenddessen fragte Aja sich, was um alles in der Welt sie angestellt haben könnte. Mit dem Zettel, dem sie gestern einem Mitinsassen, so nannte Aja gerne die anderen Waisenkinder, Namens Obo heimlich auf den Rücken geklebt hatte, konnte dieses Gespräch mit der Fremden doch unmöglich zu tun haben. Bei dem Gedanken an die Zettelaufschrift mit dem Wortlaut; "Obo frisst seine Popel", musste sie unwillkürlich grinsen. Was mit einem weiteren scharfen Blick von Madame Lel quittiert wurde. Schnell erwiderte Aja deshalb, jawohl, sehr gerne Madame. Hmm, dachte Lel, sie kann sich auch gesittet verhalten, wenn sie nur will. Vielleicht gelang der Coup ja doch und sie wurde diese kleine Kröte doch noch los. Lel hatte bis heute Morgen schon alle Hoffnung aufgegeben sie noch wo unterzubringen. Jetzt durfte nichts mehr schiefgehen. Für ein weiteres Dienstmädchen gab es im Heim kein Budget mehr, jedenfalls keins für ein Dienstmädchen das ständig an der Schokoladenglasur naschte. Aja huschte, mit Madame Umu im Schlepptau nach draußen und Lel öffnete den Wandschrank um ihre Gartenschürze überzuziehen. Außerdem nahm sie noch die Gartenschere, sowie ein Säckchen in das bestimmt gut ein Kilo Kräuter passten. Dann ging sie zur Hintertür und vergewisserte sich, dass ihr Besuch und ihr Sorgenkind auf der Vorderseite des Hauses zugange waren. Dann ging alles sehr schnell. Mit geübten Bewegungen schnippelte sie die Blätter von den Stängeln und stopfte sie in das Säckchen. Nachdenklich wiegte sie das Säckchen in der Hand. "Mmh, ja, das könnten ein Kilo sein", murmelte sie und in Gedanken, hier darf ich nicht kleckern sondern muss ich klotzen. Schnell huschte sie wider zur Hintertür hinein und entledigte sich der Schürze und Schere. Dann läutete sie nach Dod um heißes Teewasser zu bestellen. Kaum dampfte der neue Tee in der Kanne, waren von der Vordertür auch schon Stimmen zu hören. Lel hörte heiteres Geplapper und Gekicher und als die beiden den Salon betraten, musste man den Eindruck gewinnen, als hätten hier zwei alte Freundinnen einen vertrauten Umgang. "Oh meine liebste Lel, wir hatten ein wirklich fruchtbares Gespräch". Fast wäre Lel die Kanne aus der Hand gefallen, weil sie zuerst "furchtbares Gespräch" verstanden hatte. Aber der heitere Gesichtsausdruck der zwei sprach Bände. "Wir sind uns einig und haben beschlossen, gleich morgen mit der Ausbildung zu beginnen. Oh ja, ich habe vor aus Aja einen neuen Stern am Modehimmel zu machen". "Na darauf trinken wir noch ein Tässchen". Lel konnte es kaum fassen, wie gut alles funktionierte und an Aja gewandt, die sich gerade ungefragt eine Tasse greifen wollte, "du gehst dann jetzt schon mal packen". Aja stellte die Tasse wider ab und antwortete, "Ja, natürlich. Bis morgen dann, Madame Umu, ich bin ja schon so aufgeregt". Fröhlich lächelnd winkte sie noch einmal und lief aus dem Salon. Auf dem Weg zum Schlafsaal überlegte sie sich noch einen neuen Zetteltext für Obo, schließlich war heute die letzte Gelegenheit. Im Salon gab es noch ein schönes Tässchen Tee und beim Abschied überreichte Lel Umu das Säckchen mit dem Hinweis, immer wenn es in der Ausbildung mal hakte solle die geschätzte Frau Umu sich ein Tässchen aufbrühen. Das sei gut für die Nerven und haken würde es in jeder Ausbildung ja mal. Dabei dachte Lel, dass das Kilo sicher nicht lange halten würde. Alles in allem bekäme sie vielleicht noch so zehn Kilo zusammen. "Darf ich Aja morgen noch einen Sack mitgeben?, wegen ihrem Gepäck kommt sie ja sowieso mit einem Fuhrwerk und die Lehre dauert ja bestimmt zwei Jahre." "Eher drei, ich will sie ja nicht nur zu einer normalen Schneiderin ausbilden, sondern zu einer Modedesignerin, was sage ich, zu einer Modeikone, jawohl." Umu war in Hochstimmung, das Wort Sack hatte ihr gefallen. Als sie sich von der Heimleiterin verabschiedete, hatte sie das Gefühl von einer guten Freundin zu scheiden und Lel dachte, während sie freundlich winkte; hoffentlich endet diese Geschichte für mich nicht vor dem Magier-Straftribunal und dem Kerker auf Rabenstein.

    (Fortsetzung folgt)

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  • (Fortsetzung von Das Geisterkleid)


    Der Morgen des darauffolgenden Tages war ein freundlicher, warmer und sonniger Tag. Aus dem Schlafsaal der Mädchen war ein aufgeregtes Geschnatter zu hören. Die Nachricht, dass Aja eine neue Bleibe und Lehrstelle gefunden hat, hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet. Und was für eine! Madame Umu's Schneideratelier. Das Non plus Ultra des Modedesigns im ganzen Land. Lel wartete noch bis das Frühstück beendet war und schaute dann nach Aja, um sie in den Salon zu bitten. Auf dem Weg zum Speisesaal kam ihr Obo entgegen, der sie vergnügt anlächelte und dabei Essensreste zwischen den Zähnen offenbarte. Wenn Obo gerade Speisen in sich hinein gestopft hatte, war er immer gut aufgelegt. Als Lel im nachsah, las sie auf einem Zettel auf seinem Rücken "Obo schläft mit einem Kuscheltier". Als Lel in den Saal lugte, sah sie Aja inmitten einer Traube von Kindern und winkte sie herbei. "Komm mit, ich habe noch ein Abschiedsgeschenk für dich. In der Zwischenzeit kann Dod dein Gepäck auf das Fuhrwerk laden." Aja schaute erfreut, denn das ein Kind ein Abschiedsgeschenk bekommen hatte war noch nie vorgekommen. Aja war etwas besonderes. Sie hatte es insgeheim immer gewusst. Im Salon angekommen ging Lel zur Kommode und öffnete eine Schublade. Sie nahm einen Gegenstand heraus und überreichte ihn mit feierlicher Miene an Aja. Der Gegenstand stellte sich als Haarbürste heraus und Aja platzte fast vor Stolz. "Du musst sie jeden Morgen benutzen, noch bevor du dich der Öffentlichkeit und besonders Madame Umu zeigst, vielleicht hilfts ja was." Aja versprach die Bürste immer in Ehren zu halten und schon steckte Dod den Kopf zur Tür herein. "Das Gepäck ist verladen, Madam." "Ah, schön! In der Eingangshalle steht noch ein großer Sack der mitmuss, helfe ihn aufzuladen, er ist etwas schwer." "Jawohl Madame," sagte Dod und gab Aja einen Wink, mit ihr zukommen. Beide wuchteten den zehn Kilo Sack auf die Pritsche und setzten sich dann auf den Kutschbock. Als der Einspänner langsam den Allee-Weg zur Straße rumpelte stand Lel in der Eingangstür und winkte. Auch an den Fenstern im ersten Stock lagen alle Kinder und winkten, während sich zum wiederholten Male Obo fragte, wieso ihm heute alle so nachstarrten und dann so freundlich lächelten. Auf dem Kutschbock winkte Aja solange zurück, bis sie zur Straße abbogen und das Anwesen hinter der hohen Hecke verschwand. Die fahrt durch die große Stadt fand Aja sehr aufregend. Es gab unterwegs viel zu entdecken. Magierunum war eine Metropole von bestimmt vierzehntausend Einwohnern. Das hatte Aja im Heimatkunde-Unterricht aufgeschnappt. Dod hatte dem Pferd die magische Adressfindungsformel ins Ohr geflüstert, sodass sie sich keine Sorgen machen mussten, dass sie sich in diesem Stadtmoloch verfuhren. Obwohl sie im Schritttempo fuhren, dauerte es gar nicht solange bis sie zum Atelier von Madame Umu, genau gegenüber vom Rathaus, kamen. Umu hörte das Gerumpel des Wagens vor dem Seiteneingang, der zum Wohnteil des Gebäudes führte. Sie öffnete und umarmte freudestrahlend Aja und als sie den großen Sack auf der Pritsche sah, auch Dod. Danach fragte sie Aja, die während der Fahrt ihr Abschiedsgeschenk ausprobiert hatte, ob sie was mit ihren Haaren gemacht hätte. "Eigentlich nichts besonderes, ist alles wie immer," kam die Antwort. "Ich helfe euch das Gepäck abzuladen und muss dann schnell zurück. Ich war gerade beim Frühstückstee und von dem ist noch eine halbe Tasse übrig. Der wird sonst kalt. Dod wird dir sicher helfen deine Sachen in dein Zimmer zu tragen. Es ist diese Stiege hoch, einfach geradeaus. Die erste Tür am Ende der Treppe unterm Dach. Den Sack lasst in der Diele neben der Tür stehen, den stell ich später in die Vorratskammer." In der Dachkammer war es gar nicht mal so ungemütlich. Aja war ja in den letzten zehn Jahren vom Platzangebot her nicht verwöhnt. Gegenüber dem Schlafsaal mit der schnarchenden Sas, die immer behauptete, dass das nur an ihrer Nasenscheidewand läge, als Nachbarin, empfand sie dies hier als einen regelrechten Palast.

    (Fortsetzung folgt)

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  • (Fortsetzung von Das Geisterkleid)


    Aja begleitete Dod noch bis zum Fuhrwerk und verabschiedete sich herzlich von ihr. "Darf ich es mal mit der magischen Adressfindungsformel versuchen?" "Aber ja, versuch dein Glück," antwortete Dod. "Aja begab sich zum Kopf des Tieres, das mit halb offenen Augen in der Sonne döste und umfasste vorsichtig das linke, seidenweiche Ohr. Mit dem Mund dicht am Ohr flüsterte sie, "höre meine Worte der Magie und begebe dich zur Mühle des Müller Bob, am Mühlenweiher in Magierunum." Bobs Mühle lag gut zehn Kilometer nördlich vom Waisenhaus entfernt, ebenfalls am Stadtrand. Das gäbe eine kleine Überraschung für die liebe Dod, die vor gut drei Jahren Ajas Versuch vereitelt hatte, heimlich im Schlafsaal eine gefangene Ratte als Haustier zu domestizieren. Als der Wagen davonratterte, schaute Aja noch lange hinterher und wünschte, in Gedanken, Dodi eine schöne, lange Fahrt. Dann riss sie sich von ihren Gedanken los und ging ins Haus, Richtung Küche. Dort angekommen fand sie Madame Umu am Tisch sitzend vor, den linken Ellenbogen auf die Tischplatte gestützt und die linke Wange in die Handfläche geschmiegt. Der Blick war auf die leere Teetasse vor ihr gerichtet und mit dem Zeigefinger der rechten Hand umstrich sie spielerisch den Tassenrand. Als sie ihren neuen Lehrling gewahr wurde, schaute sie auf und fragte, "ist das Gepäck verstaut und wie gefällt dir dein neues Reich?" "Es ist wunderbar, danke der Nachfrage Madame." " Sag doch bitte, ab heute, Meisterin." "Sehr gern Ma...äh, Meisterin." "Schön, dann gehen wir mal rüber ins Atelier und fangen gleich mit den Grundlagen an." Freudig blitzte es in Ajas Augen. Nun also würde sie in die Geheimnisse der so berühmten Modemagie der Meisterin Umu eingeweiht. Im Gänsemarsch, Umu natürlich voran, betraten sie die Zentrale des guten Geschmacks von ganz Magieranien. Umu steuerte eine Tür an, die sich nach dem knarrenden öffnen als Zugang einer Abstellkammer erwies. Sie langte hinein und angelte sich einen Mob heraus und dann noch einen Eimer. Mit feierlicher Miene reichte sie beides einer verdutzt dreinblickenden Aja, über deren Kopf ein riesiges, imaginäres Fragezeichen zu schweben schien. Da sie sich nicht rührte, sagte sie, "tu in der Küche etwas Wasser in den Eimer. Putzmittel brauchst du nicht, der Mob ist Magisch, jedenfalls wurde das in der Werbung versprochen." Aja stand wie angewurzelt mit heruntergeklapptem Unterkiefer da. Nun dämmerte es Umu und sie sagte, nicht ohne einen leichten Diabolischen Gesichtsausdruck, "du hast wohl geglaubt, du würdest schon gleich am ersten Tag drauflosschneidern, was?" So waren tatsächlich Ajas Gedanken gewesen. "Nun für diesen Fall habe ich eine erste Lektion für dich, Lehrjahre sind keine Herrenjahre! Klar so weit?" Mit immer noch offenem Mund drehte sich Aja Richtung Tür und ging wie eine Traumwandlerin zur Küche, von wo bald ein leises, plätscherndes Geräusch zu hören war. Offenbar hat sie ihre allererste Lektion verstanden, dachte Umu und widmete sich einer Bestellung, die auf dem langen und breiten Schneidertisch ausgebreitet lag. Während Aja in den Ecken des Ateliers wischte, die Werbung hatte, übrigens, nicht zu viel versprochen, der Mob machte wirklich gut sauber, lugte sie des Öfteren zur Meisterin hinüber und bewunderte ihre Geschicklichkeit. Umu beherrschte als Magiebegabte das Schneidern mittels Handgestik. Aufrecht stand sie vor dem Tisch und mit ausladenden Armbewegungen und mit ausgestreckten Fingern, lies sie das Kleid vor sich über dem Tisch schweben. Manchmal bewegte sie nur ganz leicht einige ihrer Finger, um Garn in ein Nadelöhr einzufädeln und dann wedelte sie mit einer Hand aus dem Handgelenk heraus, damit die Nadel in schnellen Stich-Folgen an einem Saum entlang fuhr. Aja war schwer beeindruckt und fragte sich, ob sie so etwas je hinbekäme. Währenddessen fragte sich Lel in ihrem Salon, wo bloß Dod so lange bleibt. Wahrscheinlich nutzt sie die Gelegenheit und sitzt jetzt gemütlich in einem Straßenkaffee in der Sonne, dachte sie. Na, lass das Miststück mir mal nach hause kommen.

    (Fortsetzung folgt)

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  • (Fortsetzung von Das Geisterkleid)


    Aja wurde unsanft durch das Krähen eines Hahns geweckt. Der Hahnenschrei kam von der Figur, die auf einer runden Dose stand und die Form eines Hahnes besaß. Umu hatte sie am Abend Aja mit den Worten gegeben; stell die Dose auf deinen Nachttisch, dann wird sie dich jeden Morgen genau zur richtigen Zeit wecken. Mach sie nicht kaputt, sie ist magisch. Aja schaute den Hahn mit halb offenen Augen an und es schien ihr, als würde er sie frech angrinsen. Schließlich quälte sie sich aus den Federn und tappte Richtung Toilette. Nach Beendigung aller dringenden Morgengeschäfte, schlurfte sie zur Waschschüssel und nach dem Abtrocknen wagte sie einen ersten Blick in den Spiegel. "Da ist ja schon wieder alles durcheinander," brummelte sie und griff nach ihrer Haarbürste. Sie hatte noch deutlich die Worte Lels im Ohr. Nach dem Bürsten, oder eher Striegeln, ging sie hinüber zu dem Kleiderschrank und zog sich ein Kleid über. Dabei merkte sie sehr deutlich die Folgen der gestrigen Putzorgie in den Schultergelenken. Auf dem Weg zur Stiege musste sie am Bett vorbei und überlegte, dass sie es dem Hahn, noch vor Beginn des Tagewerks, heimzahlen konnte. Sie griff das Kopfkissen, hielt es vor sich und sagte zum Hahn gewannt, "hier sind die Daunen deiner Kinder drin, he, he, he." Nun schien es Aja, als zeigten die Schnabelwinkel leicht nach unten und etwas besser gelaunt begab sie sich die steile Stiege hinab in Richtung Küche. Umu stand gerade am Herd und wartete offenbar, dass das Teewasser heiß würde. Als Aja den Raum mit einem freundlichen "guten Morgen" betrat, drehte Umu den Kopf nach ihr und sofort bildete sich eine steile Hautfalte zwischen ihren Augenbrauen. "Morgen," brummte sie und, "wie siehst du den aus, wolltest du dich nicht kämmen?" "Hab' ich doch," kam die Antwort von einem leicht beleidigten Lehrmädchen. "So, wirklich, das scheint..." Der hohe Pfeifton des Wasserkessels ließ sie verstummen und mit erwartungsvollem Blick kippte sie das Dampfende Wasser in ihre Tasse. Aja nahm sich etwas von dem Saft, der auf dem Tisch stand und beobachtete wie Umu die umgedrehte Sanduhr anstierte und dabei mit den Fingerspitzen der linken Hand auf der Tischplatte trommelte. Als das letzte Sandkörnchen den Engpass durchquert hatte, blitzte es in ihren Augen kurz auf und sie nahm das Sieb aus der Tasse. Nun nahm die Meisterin ihre Tasse in beide Hände, gerade so als wolle sie sich daran wärmen, so wie es die Leute im Winter tun und nahm einen Schluck. Eine kurze Zeit blieb sie regungslos sitzen, um dann aufzusehen und an ihren Lehrling gewandt, "oh, wie schön du die Haare heute hast." Aja schaute ihre Meisterin verdutzt an und in ihrem Gehirn fing es an zu rattern. Wie war der plötzliche Sinneswandel ihrer Meisterin zu verstehen? Sie sah wie ihr Gegenüber genüsslich einen zweiten Schluck nahm und sich dabei die Gesichtszüge entspannten. Nun machte es in Ajas Kopf klick. Ihre Chefin brauchte ihren Frühstückstee, um zu der liebevollen und nachsichtigen Person zu werden, die sie im Waisenhaus kennengelernt hatte. "Meisterin!" "Jaa Aja?" " Ich habe mir überlegt, dass ich ein viertel Stündchen früher Aufstehen könnte, um das Frühstück schon mal vorzubereiten." "Oh, welch wunderbarer Vorschlag," säuselte Umu freudestrahlend. "Ich habe gleich gewusst, dass ich mit dir einen guten Fang gemacht habe. Um den Weck-Hahn eine viertel Stunde vorzustellen musst du die magische Formel sagen; ab nun 'ne viertel Stunde eher gekräht, oder dir wird der Hals umgedräht." "Geht klar, Meisterin, das kann ich mir merken." "Sehr schön, dann wollen wir mal loslegen. Die Arbeit macht sich nicht von alleine." Sie gingen ins Atelier und Aja durfte sich neben ihre Meisterin stellen und musste jede Bewegung ihrer Arme und Hände beobachten. Abends ging sie in ihre Kammer und stellte sofort den Weck-Hahn vor. Die magische Formel funktionierte prima und so wurde Aja immer rechtzeitig wach, um für ihre Meisterin und sich selbst das Frühstück vorzubereiten. Immer wenn Umu die Küche betrat, stand auf ihrem Platz schon eine dampfende Tasse Tee bereit. Irgendwann einmal rechnete Aja, vor dem zu Bett gehen, aus, ob der Kräutertee für die ganzen drei Lehrjahre reichen würde. Sie nahm eine Feder, mit der sie sonst Briefe an Madame Lel und natürlich an die Waisenkinder, besonders an Obo, den sie besonders vermisste schrieb, sowie ein Blatt Papier. Dann begann sie mit der höchst komplizierten Rechnung. 3 Jahre á 365 Tage sind 3 x 365 = 1095 Tage. 4 Gramm pro Tasse Frühstückstee. Das wären dann 4 x 1095 = 4380 Gramm = 4 Kilo und 380 Gramm. Wenn man nun noch ein Tässchen zum Nachmittagstee rechnet, also x 2, käme sie auf 8,76 Kilogramm. Der Vorrat beträgt 11 Kilo. Das bedeutete, dass ihre Ausbildung eigentlich glatt über die Bühne gehen müsste.

    (Fortsetzung folgt)

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    Die Tage, Wochen und Monate gingen ins Land und Aja wurde in der Handmagischen Schneiderei immer geschickter. Sie war bereits seit kurzem in der Lage mittels Handzeichen Stoff mit einer schweren Schneiderschere exakt und auf den Millimeter genau zuzuschneiden, ohne dass dabei Blut floss. Auch äußerlich hatte sie sich verändert. Das Abschiedsgeschenk aus dem Waisenhaus tat gute Dienste und Aja hatte mehr als einmal den Verdacht, dass der Bürste auch etwas Magie innewohnte. Ihre Haarpracht stand morgens längst nicht mehr so zauselig ab, wie noch vor einem Jahr. Außerdem musste sie feststellen, das der erste Sekretär des Bürgermeisters jedes mal, wenn sie in der Küche beim Mittagsessen saß, gegenüber im ersten Stock des Rathauses bei meist geöffnetem Fenster, den Kopf in eine Hand gestützt, sein Pausenbrot mampfte. er saß dabei offenbar auf einem Stuhl und benutzte die Fensterbank als Tisch. Aja hatte sich des Öfteren schon gefragt, wieso er das Tat, hatte er doch bestimmt einen schönen, großen Bürotisch. Aber vielleicht lag dort alles voll Akten, oder er war ein Frischluftfanatiker. Zudem hatte sie bemerkt, dass der arme Mann, jedes mal wenn sie zu ihm rüber schaute, das Augendeckelflimmern bekam. Jedenfalls hatte Umu es so genannt und gemeint, dass es sich dabei um eine Krankheit handele, die besonders häufig, aber nicht nur, im Frühling auftrat. Eines morgens im dritten Lehrjahr Ajas, bekam Umu, gerade als sie mit dem Frühstück fertig waren, Besuch von einer Posteule. Die Posteulen flogen ja nachts, weil sie so Lichtempfindliche Augen haben. In der Nachricht stand, das eine Cousine zweiten Grades sich bei dem Versuch auf einem Teppich zu fliegen, böse den Knöchel verstaucht hat. Dabei wusste doch beinahe jeder in ganz Magieranien, dass das Fliegen auf Teppichen reiner Humbug war. Wieder so eine Ausländische Modeerscheinung. "Ach je," entfuhr es Umu, "ich muss zu meiner armen, verletzten Cousine Mem. Was wird nun aus dem ganzen Berg Arbeit." "Mach dir keine Sorgen Meisterin, ich bin ja keine Anfängerin mehr. Ich erledige das was ich schon kann und wenn es der Cousine besser geht, macht ihr den Rest." "Diese Einsatzfreude habe ich von dir auch gar nicht anders erwartet," sagte Umu. "Ich werde gleich packen und auch ein Beutelchen vom Tee mitnehmen." Aja legte den Kopf schief und Umu beeilte sich zu sagen, "für meine kranke Cousine." Gegen Vormittag waren die Reisevorbereitungen abgeschlossen und die bestellte Droschke fuhr pünktlich vor. Meisterin und Lehrling verabschiedeten sich und Umu wiederholte noch einmal ihre Ermahnung, bei Schwierigkeiten eine Posteule zu schicken. Aja begab sich gleich nach der Abreise ihrer Meisterin ins Athelier, denn sie wollte sie auf gar keinen Fall enttäuschen. Als es früher Abend wurde, war ganz schön was geschafft und Aja ging zufrieden und etwas müde die Stiege hoch zu ihrer Kammer. Oben angelangt meinte sie von irgendwoher ein langgezogenes, schwaches Geräusch zu hören. Sie blieb stehen und lauschte. Da, da war es wieder. Es kam vom Ende des Flurs. Dort war aber nur eine, wie Aja vermutete, Abstellkammer. Die Tür war stets verschlossen gewesen und auf der Türklinke lag dicker Staub. Aja hatte sie als Rumpelkammer angesehen, in der Umu nicht mehr gebrauchte Gegenstände wie etwa Möbel verstaut hatte. Sie hatte ihre Meisterin auch nie auf diesen Raum angesprochen. Nun kam schon wieder so eine Art wimmern aus dem Raum. Auf der Türklinke lag nach wie vor dicker Staub. Aja versuchte vorsichtig die Tür zu öffnen, was aber nicht ging. Das schwache Geräusch hörte aber unmittelbar auf. Aja klopfte zaghaft an die Tür. Nichts geschah. Nun klopfte sie energischer und wie aus dem nichts zeigte sich ein bleiches Gesicht im Holz, inmitten der Tür. "Ja bitte?" Aja stand starr vor Schreck mit weit aufgerissenen Augen. "Sie wünschen?" "Ich, ich, ich," stotterte Aja. "Sie, sie sie was?" Die Frage erschien etwas schnippisch, aber das war momentan Ajas geringstes Problem. Da das bleiche Gesicht immer noch keine Antwort bekam, streckte es den Kopf nun ganz aus der Holztür und sagte etwas ärgerlich, "also wenn sie nichts von mir wollen, hätten sie mich auch nicht beim Jammern stören brauchen." "Ich bi, bitte u, um Verzeihung, aber ich hatte ja keine Ahnung, dass hier noch Jemand wohnt." "Sie machen mir Spaß Fräulein, ich wohne hier, seit das Haus existiert. Ich bin die erste Besitzerin." "Wollen sie nicht ganz herauskommen, dann können wir uns besser unterhalten und ehrlich gesagt, irritiert es mich etwas, dass sie mit dem Körper mitten in dieser Holztür stecken."

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  • (Fortsetzung von Das Geisterkleid)


    "Das würde sich nicht geziemen," kam die Antwort. Geister tragen keine Kleider. "Dann ist meine Vermutung richtig, einen Geist vor mir zu haben." "Natürlich ist eine solche Vermutung richtig, dafür gibt es ja nun genügend Indizien," sagte die Fremde Spöttisch. "Welche Indizien meinen sie," fragte Aja verwirrt. "Nun, da währen," fing das Bleichgesicht mit der Aufzählung an; "ich bin total Blutleer, wie man an meinem Teint erkennen kann. Zudem bin ich auch noch leicht durchsichtig und zuletzt kann ich meinen Kopf durch harte Gegenstände, wie etwa eine Holztür, stecken, ohne ein Loch zu hinterlassen. Ach ja, hab' ich beinahe vergessen, ich jammere des Öfteren gern vor mich hin." "Aber warum tun sie denn das?" "Na wegen dem Fluch, der auf mir lastet." "Welcher Fluch denn und warum lastet er auf ihnen?" "Ach, der ist von meinem früheren Gemahl, der mir übelgenommen hat, dass ich unser Haus an der Börse verzockt hab'." "Wieso haben sie das getan?" "Eigentlich konnte ich gar nichts dafür," sagte Ajas unverhoffte und etwas gruselige Gesprächspartnerin mit einem offensichtlich einstudierten, unschuldigen Gesichtsausdruck. "Wir, also mein Mann Kok und ich hatten gerade erst das Haus fertig gebaut, naja, bauen lassen. Hier mitten in der Stadt war das Grundstück ganz schön teuer und der Bau erst. Nun vielleicht ist er auch wegen dem ein oder anderen, kleinen Sonderwunsch von meiner Person etwas teurer geworden als ursprünglich gedacht. Aber man muss auch bedenken, dass wenn man an so exponierter Stelle wie gegenüber vom Rathaus baut, auch die Pflicht hat einen gewissen Status zu repräsentieren. Also was soll ich sagen, Als der Bau vollendet war, herrschte in unserer zuvor so reich gefüllten Sparschatulle Ebbe und wir, damit meine ich natürlich meinen Mann, mussten die Schulden abstottern. Aber mein Kok war wirklich ein fleißiger und was seine eigene Person anging auch sparsamer Mensch. Deshalb konnten wir auch lange den Kredit bedienen und sogar noch etwas regelmäßig in die Sparschatulle tun." "Klingt doch gut." "Naja, ich beging dann noch ein kleines Fehlerchen." "Von welcher Art denn?" "Oooohuooh," erscholl ein langer Klageton, aber dann antwortete der Geist; "ach je, herjeminé, nun begann das eigentliche Verhängnis. Damals begann es in der weiblichen Oberschicht Mode zu werden, alle Gesellschaftskleider nur noch ein Mal in der Saison zu tragen. Was sollte ich tun, ich konnte doch nicht auf dem wöchentlichen Damenkränzchen mit einem Kleid von voriger Saison auftauchen, schließlich war es meine Pflicht zu repräsentieren. Und sollte vielleicht meine beste Freundin Zaz, diese arrogante Schnepfe, über mich, äh...und meine Familie triumphieren?" "Ach, sie arme! Da haben sie aber ganz schön mit Problemen zu kämpfen gehabt. Aber wie ging es weiter?" "Nun, in meiner großen Verzweiflung kam ich auf die Idee, die wieder angesparten, bescheidenen Rücklagen in der Sparschatulle in Anspruch zu nehmen." "Waas, sie haben in die Kasse gegriffen?" "Ich war doch in einer Notlage und außerdem war ich sicher es wieder zurücklegen zu können, denn ich hatte einen totsicheren Anlagetipp an der Börse erhalten." "So, woher denn?" "Na von meiner besten Bussi-Bussi Freundin Zaz natürlich, deren Gemahl ist doch schließlich von Beruf Börsenspekulant." "Ach so, alles klar! Lassen sie mich raten, der totsichere Tipp ging in die Hose, oder?" "Ja, leider und mein bis dahin so nachsichtiger Ehegemahl bekam einen Tobsuchtsanfall. Das hat man dann davon, wenn man sich als Frau für das gesellschaftliche Ansehen der Familie aufopfert. Ooouuuhou, ich bin wirklich zu bedauern." "Aber wirklich, und was geschah weiter." "Mein armer Kok wurde wahnsinnig und schrie herum, dass wir sicher obdachlos werden würden und dass er die Nase gestrichen voll hätte und dann rannte er wie von einer Wespe gestochen aus dem Haus. Später erfuhr ich, dass er schnurstracks zum Steinmetz Geg gefahren ist und sich dort einen Mühlstein gekauft hatte und danach zur Seilerei von Meister Tet und dort vom letzten Geld ein Seil erstanden hat." "Oh, die Seile von Tet sind die besten, die sollen besonders haltbar sein." "Ja, sind sie wohl." "Und dann?" "Dann ist er zur Brücke, die über den Fluss führt gefahren, stellte natürlich noch die Kutsche im Halteverbot ab, band den Mühlstein mit dem Seil mittels Schlinge um seinen Hals und kletterte auf die Brüstung." "Au weh, er wird doch nicht?" "Doch." Dann ist der ärmste also ertrunken." "Nein, ist er nicht. Der Fluss ist an besagter Stelle nur zwanzig Zentimeter tief." "Autsch!" "Allerdings, der Mühlstein ist auf dem Flussgrund aufgeschlagen und dann Koks Kopf auf dem Mühlstein." "Sie bedauernswerte Frau haben ja damals was mitgemacht."

    (Fortsetzung folgt)

    Aerlinn in Edhil o Imladris

    A Elbereth Gilthoniel, silevren penna míriel o menel aglar elenath!

    Nachaered palandíriel o galadhremmin ennorath, Fanuilos, le linnathon nef aear, si nef aearon! :queen:

    2 Mal editiert, zuletzt von Wilferedh () aus folgendem Grund: Fortsetzung